Von Adelaide ging es letzte Woche Donnerstag mit dem Flugzeug nach Alice Springs. Der Flug verlief dieses Mal eigentlich ziemlich gut und Tonas Angst verging auch, als sie den Piloten erblickte: „Eh, Anna! Schau mal, der sieht gut aus, der muss einfach kompetent sein!“ Jedenfalls kamen wir munter und gesund am Flughafen in Alice Springs an. Das erste, was mir dort auffiel, war die Hitze! Naja… wir waren schliesslich auch Mitten in der Wueste gelandet, aber es war doch ein kleiner Schock. Als naechstes stellten wir fest, dass alles voller Fliegen war! Richtig eklig! Die sind einem die ganze Zeit im Gesicht rumgekrabbelt und manchmal sogar bis in die Mundhoehle hinein. Baeh. Nach einer halben Stunde kam uns jedenfalls ein Shuttlebus abholen und brachte uns zum „Toddy’s“, unserem neuen Hostel. Dort trafen wir gleich einige Leute, die am naechsten Morgen mit uns auf die 3-taegige Rock-Tour fahren wuerden. Gegen spaeten Nachmittag traf dann auch Tabea im Hostel ein, die anstatt zu fliegen mit dem Bus gekommen war. Wir machten uns erstmal auf zum naechsten Supermarkt und kauften ein bisschen was fuers Abendessen ein… Ja gut, ich geb’s zu… waren mal wieder Nudeln mit Tomatensosse :D Abends fand in einem Pub am Rande der Stadt ein „Luftgitarren-Wettbewerb“ statt, den wir uns unbedingt anschauen wollten. War aber eher langweilig. Wir hatten mit richtigen Luftgitarren-Profis gerechnet, aber die Teilnehmer dort haben das Ganze irgendwie selbst nicht so ernst genommen und es war etwas albern alles ;) Gegen 12 Uhr ging es fuer uns dann auch ab ins Bettchen, denn wir mussten am naechsten Morgen schon um 5 Uhr aufstehen. Um 6 Uhr wurden wir dann von unserem Tour-Guide Skip abgeholt und es ging ab ins Outback :) Das erste Ziel war der „Kings Canyon“, wo wir fuer etwa drei Stunden umherwanderten. Eine kurze Pause gab es im „Garden of Eden“. Dort hatten wir die Moeglichkeit, eine Runde schwimmen zu gehen und mir war auch schrecklich heiss und ich wollt sofort ins Wasser huepfen! Dummerweise musste ich dann feststellen, dass ich meine Bikini-Hose vergessen hatte. Zu doof… Nach der Wanderung fuhren wir noch ein ganzes Weilchen bis nach Curtin Springs, wo wir dann unser Nachtlager aufschlugen. Skip machte sich ans Kochen und zwei Jungs hatten sich dazu bereit erklaert, ein Lagerfeuer zu machen. Einer der Teilnehmer, Ludo, ueberraschte uns mit seinen musikalischen Kuensten und gab ein kurzes Didgeridoo-Konzert. War ziemlich cool! Danach durften sich dann alle mal an diesem Instrument versuchen, aber bei den meisten kam nur ein dumpfes „Toooeeeroooe“ heraus. Nach dem Essen brachte Skip uns dann dazu, das „Box-Game“ zu spielen… Dabei muss man eine kleine Pappkiste mit dem Mund vom Boden aufheben, ohne diesen mit Armen oder Beinen zu beruehren. Ist etwas schwierig zu erklaeren, sieht aber sehr lustig aus :) Irgendwann war es dann Schlafenszeit und wir kuschelten uns in unsere Swags (quasi Schlafsaecke, in die man sich mit seinem eigenen Schlafsack reinlegt) und schliefen unter einer Millionen Sterne ein :) Wunderwunderschoen! Am naechsten Morgen hiess es gegen viertel vor 6 schon wieder: „WAKE UP!“ Mir kam es so vor, als waere ich gerade erst eingeschlafen, denn man konnte immer noch die Sterne sehen! Nach dem Fruehstueck ging es auf zum Kata Tjuta und ins „Valley of the Winds“. Dort wanderten wir eine ganze Weile umher. In den Pausen erzaehlte Skip uns Einiges ueber die Kultur der Aborigines, auf deren Land wir uns ja gerade aufhielten. Skip zeigte uns, welche Pflanzen sie zur Herstellung von Waffen oder Medizin benutzten und erklaerte, dass es auch heute noch Aborigines gibt, die versuchen, diesen alten Lebensstil beizubehalten. Er erzaehlte uns ausserdem einige Aborigine-Geschichten zur Entstehung der Landschaft, die sich von den geografischen Erklaerungen sehr stark unterscheiden. Ganz grob gesagt glauben die Anangu (die Aborigines der Gegend) daran, dass bestimmte Formationen (so wie der Uluru, Kings Canyon oder Kata Tjuta) dadurch entstanden sind, dass fantastische Wesen (oftmals halb Mensch, halb Tier) durch das Land gezogen sind und dabei bestimmte Elemente des Landes geformt haben. Es weiss aber niemand so genau, ob diese Geschichten wirklich die sind, die sich die Anangu untereinander erzaehlen, denn sie sind sehr darauf bedacht, dass nicht all ihr Wissen fuer die Oeffentlichkeit zugaenglich gemacht wird. Skip erklaerte uns ausserdem, dass Wissenschaftler heraus gefunden haetten, dass die Aborigines nicht vom Homo sapiens, sondern vom Homo erectus abstammen und sich deswegen seit 33000 Jahren aeusserlich nicht stark veraendert haben. Inwieweit das alles stimmt, kann ich nicht beurteilen, weil ich noch nicht die Zeit hatte, mich genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Jedenfalls haben wir dann noch erfahren, dass die Aborigines bis 1956 (!!!) unter dem Begriff „Flora und Fauna des Landes“ eingeordnet waren und dass die „weisse Bevoelkerung“ Australiens bis heute keinen grossen Fortschritt in Sachen Rassismus gemacht hat, was mir allerdings schon vorher aufgefallen war… Wenn man Australier auf ihre Beziehung zu den Aborigines anspricht, dann hoert man meistens: „Sind Alkoholiker, die auf unsere Kosten leben“. Skip hat uns auch erzaehlt, dass man an australischen Schulen nichts lernt ueber die Kultur dieser Menschen und dass die meisten Australier einfach keine Ahnung haben, sich aber auch nicht dafuer interessieren. Man sieht oftmals betrunkene Aborigines vor den Bottle-Shops in grossen Staedten sitzen, aber warum viele dieser Menschen dem Alkoholismus verfallen sind, danach fragt niemand. Es ist mir auch schon des Oefteren aufgefallen, dass Menschen den Kontakt mir Aborigines meiden und ihnen gewollt aus dem Weg gehen. Alle sehen ein grosses „Aborigine Problem“, aber keiner kommt auf die Idee, dass das Problem die Australier selbst sein koennten. Ich will hier jetzt eigentlich gar nicht so viel dazu schreiben, mit meinem Halbwissen, aber bestimmte Dinge, die Skip uns erzaehlt hat, haben mich sehr nachdenklich gestimmt und traurig bzw wuetend gemacht. So hat er uns zum Beispiel gesagt, dass Aborigines gar keinen Sinn fuer materiellen Wert haben und dass es schon vorgekommen ist, dass man ihnen ein Auto geschenkt hat und sie es so lange gefahren haben, bis der Sprit leer war und es danach am Strassenrand haben stehen lassen. Oder dass sie ein Haus zur Verfuegung gestellt bekommen haben und dieses dann nachts, als es ihnen zu kalt wurde, angezuendet haben. Skip war der Meinung, dass man die staatliche finanzielle Unterstuetzung fuer die Aborigines kuerzen solle und ihnen stattdessen erst einmal beibringen muesse, mit Geld umzugehen. Das hat mich traurig gemacht. Ich muss erst noch mal genauer ueber alles nachdenken und mich besser informieren, dann werde ich bestimmt noch mehr zu dem Thema schreiben, denn es laesst mich nicht mehr los. So, wo war ich noch mal? Achja… also nachdem wir durch das „Valley of the Wind“ gewandert waren, ging es kurz zu unserem naechsten Campingplatz, wo wir die Moeglichkeit hatten, uns zu duschen. Dann ging es sofort weiter zum „Uluru-Schauplatz“, denn wir wollten den Sonnenuntergang nicht verpassen. Es war schon krass, den Uluru/Ayers Rock zu beobachten, waehrend die Sonne langsam unterging. Die Farbe des Steins veraenderte sich von Minute zu Minute… aber irgendwie kam nicht die richtige Stimmung auf, weil wir uns unseren Schauplatz mit hunderten von Touristen teilen mussten, die alle dort sassen, ihre Kameras aufbauten und Weinschorle schluerften. Wir waren ganz zufrieden mit unserem Bier :) Nach dem Sonnenuntergang ging es zurueck ins Camp, wo wir noch gemuetlich am Feuer sassen und Geschichten erzaehlten. Am naechsten Morgen ging es erneut zum Uluru-Schauplatz, denn wir mussten ja auch noch den Sonnenaufgang bestaunen! Danach fuhren wir dann naeher an den riesigen Stein heran und spazierten einmal herum. Es gab einige Touries, die hinaufkletterten, aber Skip erklaerte uns, dass die Anangu es nicht gerne sehen, wenn Touristen ihr „heiliges Land“ betreten (was uebrigens auch auf einem riesigen Schild zu lesen war) und dass er es besser faende, wenn wir aus Respekt auf das Besteigen des Uluru verzichten wuerden. Das hat dann auch gottseidank jeder verstanden und so reichte es uns vollkommen aus, den Stein von unten zu bewundern. Danach ging es dann auch schon wieder zurueck Richtung Alice Springs – allerdings mit kurzem Zwischenstopp auf einer Kamelfarm, wo wir je nach Belieben eine Runde reiten durften. Zurueck in Alice war ich ziiiemlich k.o., aber es blieb nicht viel Zeit zum Ausruhen! Abends trafen wir uns mit allen Teilnehmern der Tour zum Dinner in der Rock Bar und danach wurde noch ordentlich gefeiert :) Montags hatten wir dann noch tagsueber Zeit, uns die Stadt ein wenig anzuschauen, was aber nicht sooo spannend war und am spaeten Nachmittag ging es ab zum Bahnhof… Mit der „Ghan train“ machten wir uns auf den Weg nach Darwin (23.5 Stunden Zugfahrt puuuh…), wo wir jetzt gerade auch noch sind. Heut Abend ist unser letzter Abend mit Tabea und dann geht es fuer Tona und mich morgen ab in den Kakadu National Park und naechste Woche dann schon rueber nach Perth an die Westkueste. Ich bin ja mal gespannt… Nur noch knapp vier Wochen und dann sehen wir uns schon wieder, Leute ;) Machts gut, bis bald!

Der Zug nach Darwin!

Warten auf den Sonnenuntergang am Uluru

Uluru...

Kata Tjuta...

Kata Tjuta

Die rote Wueste :)

Kings Canyon
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