Samstag, 28. November 2009

Vielleicht war Tully ja doch nicht so schlecht :(

Oh je. Ich kanns nicht glauben, dass unsere zwei Monate in Tully jetzt wirklich vorbei sind…
Es ist seltsam. Die ganze Zeit haben wir immer nur gemotzt und wollten hier weg und jetzt ist es endlich soweit und ich muss sagen, dass ich doch den Traenen nahe bin…
Ich habe eigentlich erst vor ein paar Wochen angefangen mich hier so richtig wohl zu fuehlen. Ich glaube, der Knackpunkt war ein Tag bei der Arbeit, an dem ich mal wieder Bananenbaumblaetter geschnitten habe und ueber zu Hause nachdenken musste. Da habe ich naemlich beschlossen, dass es nichts bringt, wenn man die ganze Zeit nur zurueckdenkt und sich einredet, dass es vielleicht schoener waere, wenn man jetzt in Erftstadt sein koennte. Ich dachte: So Anna, jetzt bist du hier in Australien und natuerlich vermisst du deine Freunde und deine Familie in Deutschland, aber die wirst du ja wiedersehen und ausserdem lernst du so viele neue Freunde kennen und darauf solltest du dich ab jetzt konzentrieren und dich fuer die ganze Sache mal oeffnen. Und das hat auch geklappt und mir ging es auf einmal viel besser!
Tully ist fuer mich wie mein “australisches Zuhause” geworden. Ich habe hier gearbeitet, gegessen, geschlafen, gefeiert und mich ab und an auch mal gelangweilt :)Ich habe Freunde gefunden, die mir in nur zwei Monaten unglaublich wichtig geworden sind und die ich jetzt bestimmt schrecklich vermissen werde. Tabea und Steph, Jen, Donna, Janina, Francesca, Annika, Smithy, Daniel, Chris, Henryk, Roxy, Amber, Laura, Marie und so viele andere… Auch unser Boss Peter wird mir fehlen :( Aber er hat uns angeboten, dass wir jederzeit wiederkommen und bei ihm arbeiten koennen. Ehrlich gesagt habe ich aber auch die Schnauze voll von Bananen jetzt :D
Die letzte Arbeitswoche war grausam! Wir hatten so viele neue Arbeiterinnen, dass alles drunter und drueber gegangen ist. Hoehepunkt war definitiv der Freitag… Beim Blaetterschneiden sind wir in einem Block gewesen, in dem auch die Humper (die Jungs, die die Stauden abschneiden, wenn sie reif sind) gearbeitet haben. Und da habe ich mich mit einem von denen ganz kurz unterhalten und hab nachher zu Janina gesagt, dass ich finde, dass der ganz huebsch aussieht. Janina ist dann wiederum zu Peter, unserem Boss, gegangen und hat ihm das erzaehlt und der fand das alles ziemlich lustig. Also ist Peter in der Mittagspause zu den Humpern gegangen und hat denen erzaehlt, dass ich mich in den einen Typ verknallt haette und ob er nicht abends mit mir ausgehen moechte. DAS WAR SO PEINLICH! Ich hab mich den ganzen Abend versteckt und hatte Angst, dass er im “Rafters” auftauchen koennte. Gottseidank hat er mich nicht gesehen.
Ansonsten war der Abend ziemlich, ziemlich lustig! Wir waren erst nur im Rafters und haben etwas getrunken und sind dann noch in einen anderen Pub gegangen, in dem eine Live Band gespielt hat. Die ganzen alten Farmer haben getanzt und Party gemacht :D Ploetzlich stand ich irgendwie hinterm Mikrophon und sollte singen, aber ich kannte das Lied gar nicht. Ahhh. Peinliche Sache.
Als die Party vorbei war und alle Bars geschlossen hatten, sind Jen und ich mal wieder schwimmen gegangen. Dieses Mal sind wir aber nicht einfach so in den Pool gesprungen, sondern erst auf den Balkon geklettert und von oben reingeplumpst. War lustig :D Danach sind alle schlafen gegangen, aber ich sass noch ein bisschen auf dem Balkon und hab mit einem Freund geplaudert.
Den Tag heute hab ich groesstenteils mit Packen verbracht. Muss ziemlich viel hierlassen, weil einfach nicht alles in den Rucksack passt… (Sorry, Mama, aber das bedeutet jetzt das Ende fuer die Trekkingsandalen ;)). Die Arbeitssachen habe ich in den Muell geschmissen. Am besten sah meine ehemals weisse Hose aus… die ist jetzt irgendwie braun.
Naja und eben haben wir dann unser Greyhound Ticket gekauft. Morgen gehts um 9:40 Uhr los. Ab nach Townsville :) Jen reist heute Abend schon ab. Das wird traurig. Vielleicht gehen wir noch in ein Restaurant und feiern ein bisschen Abschied, mal sehen.
Ich freu mich aufs Reisen,aber die Zeit hier in Tully werde ich niemals vergessen und in guter Erinnerung behalten…
Ich meld mich dann, wenn wir in Townsville sind und unseren Tauchkurs starten :)
Machts gut!


Ein paar Fotos von letzter Nacht :)




Sonntag, 15. November 2009

Rather be killed in a gully than two months in Tully...

Okay, das mit dem Gedicht ist leider doch nix geworden, weil ich ueber die zwei obenstehenden Zeilen nicht hinaus gekommen bin. Vielleicht versuch ichs irgendwann nochmal auf Deutsch, aber eigentlich ist dieses Kaff es hier auch gar nicht wert, dass man seine wertvolle Zeit darauf verschwendet, ein Gedicht ueber das Leben hier zu schreiben...
Es tut mir auch wirklich Leid, dass ich so selten etwas auf den Blog schreibe, aber ich weiss einfach nicht, was ich erzaehlen soll.
Das klingt jetzt wahrscheinlich alles ganz fuerchterlich, aber mir geht es eigentlich doch sehr gut hier! Also nicht, dass ihr euch Sorgen machen muesstet! ;)
Es ist nur so, dass das Leben hier so alltaeglich geworden ist und jeder Tag seinen festen Ablauf hat. Natuerlich ist es immer noch anders, als der Alltag in Deutschland, weil man sich ja immer im Klaren darueber ist, dass das hier Australien ist und ein vollkommen neuer Lebensabschnitt - das wird mir immer besonders bewusst, wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit im Jeep sitze und aus dem Fenster schaue: endlose Weiten; Berge, die noch im Nebel liegen; Regenwald und vereinzelt ein paar kleine Haeuschen. Aber trotzdem ist es bei der Arbeit jeden Tag das Gleiche: Blaetter schneiden, Fruehstueckspause, Blaetter schneiden, Lunchpause, Baeume aneinanderbinden oder Stauden beschneiden, nach Hause fahren. Mich langweilt das jetzt nach anderthalb Monaten schon, aber man muss sich mal vor Augen fuehren, dass so gut wie alle Einwohner von Tully das ihr ganzes Leben lang machen. Fast jeder, mit dem man sich unterhaelt, erzaehlt, dass er auf einer Bananenfarm arbeitet. Der Besitzer unserer Farm hat letzte Woche ein Kind bekommen und war uebergluecklich, dass es ein Junge ist, damit dieser spaeter einmal die Farm uebernehmen kann.
Die jungen Leute hier gehen bis zur 10. Klasse zur Schule, machen vielleicht noch eine Ausbildung und fangen dann doch an, auf einer Farm zu arbeiten. Bildung hat hier keinen so hohen Stellenwert - was jetzt nicht bedeuten soll, dass alle Leute hier dumm sind! Man steht einfach nicht unter diesem Leistungsdruck und sieht einiges viel lockerer. Fuer mich waere das nix, aber die Menschen hier scheinen doch zufrieden zu sein mit ihren Bananenjobs. Das ist eine ganz andere Welt.
Zwei Wochen werden wir jetzt noch hier bleiben und dann geht die Reise endlich weiter. Das wird jetzt auch langsam mal Zeit! Viele Leute, die man lieb gewonnen hat, sind jetzt schon weg und es haelt einen immer weniger in Tully. Vor zwei Wochen ist unsere italienische Mitbewohnerin Francesca abgereist und Donnerstag hatte meine Arbeitspartnerin Marie ihren letzten Tag. Sie hat uns dann auch Freitag Abend zu ihrer Abschiedsparty eingeladen, was sehr schoen war. Die Party fand im Haus von einem der Locals statt und es waren dann auch fast nur Einheimische da. Das war einfach mal eine schoene Abwechslung! Danach sind wir dann noch ins "Rafters" gegangen, aber das war dann nicht mehr ganz so toll ;)
Freitag hatten wir uebrigens auch den ganzen Tag frei, weil die Beerdigung der Oma unseres Chefs war. Das war mal ganz gut (also nicht, dass sie gestorben ist!!!), weil wir so ein bisschen was erledigen konnten. Wir waren bei der Bank, weil noch was wegen der Steuernummer geklaert werden musste, dann haben wir uns im Reisebuero nach dem Greyhound-Ticket erkundigt, weil wir die Ostkueste ja mit dem Bus herunter reisen wollen und zu guter Letzt haben Steph und ich uns noch einen iPod gekauft. Mir ist letzte Woche naemlich mein MP3Player kaputt gegangen (keine Angst, Jule, nicht deiner ;)) und ohne Musik geht das hier ueberhaupt nicht! Ausserdem sind die iPods hier auch viel billiger als in Europa. Einmal kann man sich ja was goennen ;)
Und Samstag hat die Jen mir dann ihre ganze Musik gegeben. Abgesehen von Rammstein gefaellt mir das auch alles ganz gut. Bin jetzt die ganze Zeit damit beschaeftigt, das alles durchzuhoeren :D
Samstag Abend haben wir dann Disney-Nacht gemacht und Dschungelbuch, Aladdin und Tarzan geguckt :) Das war toooll, weil alle immer die Lieder mitgesungen haben und fast das komplette Hostel vorm Fernseher sass.
Und heute morgen hat Tona mich geweckt, weil sie die spontane Idee hatte, den Mount Tyson zu besteigen! Das haben wir dann auch gemacht :D War echt lustig... Am Anfang dachten wir, dass wir das nie schaffen werden. Es gab keinen richtigen Wanderweg und man musste eher klettern als laufen, aber nach zweieinhalb Stunden waren wir dann oben und konnten uns Tully mal von oben anschauen ;) Wir haben sogar das Meer gesehen. War schoen und mal eine Abwechslung zum ewigen Rumhocken im Hostel! Aber danach war ich echt fertig und hatte Kopfschmerzen. Jetzt gehts aber wieder!
Sorry, dass ich schon wieder nix Spektakulaeres zu berichten habe (ihr habt wahrscheinlich schon alle aufgehoert, meinen Blog zu lesen :D), aber in zwei Wochen gehts ja weiter. Wir checken hier am 29. November aus und machen uns dann zusammen mit Steph und Tabea auf den Weg nach Townsville. Da werd ich dann endlich meinen heissersehnten Tauchkurs machen. Juhu! Wie es genau weitergeht, wissen wir aber noch nicht. Steph und Tabea muessen beide Mitte Dezember in Sydney sein, aber wir wollen uns da etwas mehr Zeit lassen und keinen Stress machen. Mal schauen, wie lange wir wo bleiben... Das wird toll!
Dafuer lohnt es sich auch, noch zwei weitere Wochen Bananenbaumblaetter zu schneiden :D
Bis dahiiin und machts gut!

Dienstag, 10. November 2009

Heute bei der Arbeit...

... kam ich mir vor, wie der Papa von den "Dinos"... diese TV-Serie fuer Kinder! Kennt ihr die?

Der ist jedenfalls von Beruf Baumschubser!

Und wenn mir bei der Arbeit tote Bananenbaeume im Weg stehen, dann schubs ich die auch immer um! :D




Tataaaa... Das war mein Highlight der Woche...

Ich schreibe aber gerade ein Gedicht ueber Tully, das wird hier in Kuerze zu lesen sein!



Sonntag, 1. November 2009

Happy Halloween und so!

Soo. Es ist mal wieder Sonntag und Zeit etwas auf den Blog zu schreiben, auch wenn die Woche eigentlich wieder genauso verlaufen ist wie die davor und die davor und die davor...
Der einzige Unterschied ist, dass es jetzt tagtaeglich regnet im schoenen Tully. Das macht die Arbeit natuerlich nicht leichter, weil die Plantagen jetzt total matschig und nass und vor allem RUTSCHIG sind! So kommt es dann auch ab und zu vor, dass ich mich auf die Schnauze lege. Na gut, eigentlich passiert das jeden Tag mindestens zwei mal. Ist aber weniger lustig, wenn man bedenkt, dass ich dabei ein zwei Meter langes Messer in der Hand halte. Aber bisher ist noch nichts Schlimmes passiert, ich hatte also Glueck!
Wenn es regnet, nehmen wir uns immer ein paar Plastiktueten, die eigentlich dafuer da sind, die Bananen einzupacken, und wickeln uns damit ein, damit wir nicht nass werden. Sieht ziemlich stylisch aus!
Mittwoch war bisher der schlimmste Tag, den wir bei der Arbeit je hatten! Es hat den ganzen Tag nur geregnet und dann mussten wir auch noch stundenlang Loecher graben mit so einer Art Spaten. Ich war nach 10 Loechern schon k.o., aber es sollten noch mindestens 50 weitere folgen... MUSKELKATER! Dann mussten wir in diese Loecher Duenger streuen und zum Schluss noch kleine Bananenbaeumchen einpflanzen. Puh! Am Ende des Tages bin ich nur noch schnell duschen gegangen, hab etwas gegessen und bin dann totmuede ins Bettchen gefallen.
Freitag hat es so sehr geregnet, dass unser Chef Peter uns den halben Tag frei gegeben hat. Das war aber auch gut so, weil wir noch viel vorhatten! Freitag Abend war naemlich grosse Halloweenparty und unsere Kostueme waren noch nicht mal ansatzweise fertig. Die Idee stand aber: Teenage Mutant Ninja Turtles! Genial, oder? Aus alten Bananenkisten haben wir unsere Panzer gebastelt und aus Karton goldene Guertelschnallen. Dann haben wir uns noch Masken und Spielzeugwaffen im Billigladen geholt. Ihr werdet euch jetzt vielleicht fragen, ob wir nich bescheuert sind, aber da es leider keine gruene Koerperschminke mehr gab, mussten wir halt gruene Acrylfarbe nehmen, mit der wir uns dann komplett angemalt haben! Ist n bisschen hart geworden und wir waren uns auch nicht sicher, ob wir das jemals wieder abwaschen koennen, aber sah ziemlich lustig aus! :D
Wir waren auch nicht vier, sondern fuenf Turtles, aber das war nicht so schlimm. Ich war Rafaelo, Tona Leonardo, Jen Donatello, Tabea Michelangelo und Francesca war dann eben Francesco! Auf jeden Fall waren alle sehr begeistert von unserem Kostuem. Die anderen sahen aber auch toll aus! Es gab Hexen, Vampire, tote Schluempfe, Obdachlose, Riesenbabies, Wassermelonen, Piraten usw.
Der Abend war echt super lustig und hat mal wieder damit geendet, dass ich im Pool gelandet bin - diesmal aber eher unfreiwillig! War dann aber doch ganz praktisch, weil so schon mal ein Grossteil der gruenen Farbe weggewaschen war. Danach sassen wir noch in einer kleinen Runde zusammen und haben versucht, einem Englaender ein bisschen Deutsch beizubringen. Hat aber nicht so gut geklappt: "Geben Sie mir mein Kuh, guten Tag!"
Samstag hatte dann Steph, eine Freundin aus Kanada. Geburtstag und wir haben sie ein bisschen ueberrascht. Morgens haben wir so getan, als haetten wir sie total vergessen. Dann hat eine von uns dafuer gesorgt, dass sie das Hostel verlassen musste, sodass wir ein bisschen Zeit hatten, die Kueche zu dekorieren und Obst und Kuchen zuzubereiten. Als Steph dann wiederkam, war sie sichtlich geruehrt und wir haben zusammen ein bisschen Kuchen gemampft.
Fuer abends war dann das "grosse Dinner" angesetzt, dass wir sonst eigentlich immer freitags machen. Wir waren drei 3er Gruppen und jede war fuer einen anderen Gang verantwortlich. Zuerst gab es Kuerbissuppe, dann einen koreanischen Hauptgang (sehr scharfe Nudeln!) und zum Nachtisch unsere Donuts, die nicht wie Donuts aussahen, aber trotzdem geschmeckt haben!
Danach waren wir verdammt voll und haben es gerade noch so geschafft, eine DVD zu schauen. Dabei bin ich dann aber auch eingenickt.
Das war so im Groben und Ganzen das Spannendste der letzten Woche. Unglaublich, was?
Mal sehen, vielleicht gibt es ja naechsten Sonntag etwas Besseres zu berichten ;)
Bis dahin!